Speyer-Erleben

Text size
  • Größer
  • Standard
  • Kleiner
HOME - SPORT - Portraits - Valentin Ion

Valentin Ion

E-Mail Drucken

Wummm, wummm - und noch einmal: wummm! Die Bässe donnern im Mark. Kaum wahrnehmbar einige höhere Frequenzen - wie ein leichtes Zirpen im Ohr.

Valentin Ion (FV Speyer)Das Ding, dieser silberne Ghetto-Bluster, dröhnt aus der Ecke unten rechts - wer in die Kabine will, stolpert fast darüber. Hin und wieder bekommt er einen Tritt ab. Dann springt die CD - Bässe und Höhen verschmelzen zur Kakophonie. Aber das bekommt hier keiner mit. Es geht zu wie im Ameisenhaufen - eine wilde Wuselei: Händeschütteln, Schulterklopfen, lockere Sprüche.

Trainingsbeginn beim FV Speyer - Sportpark. Mittendrin der Bändiger dieses wilden Haufens, der Herr über die Trillerpfeife, der Chef - Sorin Radu. Einer steht leicht abseits, wirkt etwas schüchtern. Groß, kurze schwarze Haare, die Stutzen akkurat bis unter die Knie gezogen, die blaue Hose sauber, wie frisch aus der Maschine, wie aus dem Katalog. Der Mann ist mit diesem sympathischen Lächeln auf die Welt gekommen, es will einfach nicht aus seinem Gesicht weichen. Auch als die Kollegen ihn aufziehen: "He Vali, was ist los - keine Lust?" - Valentin Ion lächelt, immer.

Sorin Radu weiß, wie er mit dem sensiblen 22-Jährigen Stürmer umgehen muss. Der Trainer hält Zwiesprache mit Ion, redet leise, aber bestimmt auf ihn ein - auf rumänisch. Sie sind Landsmänner, der Trainer und seine große Hoffnung. Er hat ihn geholt in den Speyerer Sportpark, aus Gommersheim, wo Ion alles andere als glücklich war. Valentin Ion schüttelt den Kopf, ungläubig, wenn er an Gommersheim zurückdenkt - immer noch. Der Trainer des Verbandsligisten, Slawomir Stuli, war - anders als Sorin Radu jetzt - nicht sein Freund. "Er hat zu mir gesagt, dass ich zu schlecht bin, dass ich nicht Fußball spielen kann."

Das Lächeln ist zwar noch da, aber es ist in diesem Moment im Gesicht des Valentin Ion eingefroren. "Das war eine schlimme Zeit für mich. Keiner hat sich wirklich um mich gekümmert." Die Worte kommen flüssig über seine Lippen - auf Deutsch. Das war anders, als er im Januar 2007 nach Deutschland kam. Er absolvierte ein Probetraining in Hoffenheim bei Ralf Rangnick, landete dann in Gommersheim, weil ein Freund da kickt. "Ich hatte ja sonst niemanden, musste erst die Sprache lernen, das war alles nicht einfach."

Er wollte schon verzweifeln, trug sich mit dem Gedanken an Rückkehr nach Rumänien, wo Ion bei Dumitru Bolea gespielt hatte, in der zweiten Liga. Gelernt hat er bei Steaua Bukarest, dem großen rumänischen Klub, der 1986 den noch größeren FC Barcelona im Finale um den Landesmeister-Cup mit 2:0 besiegen konnte. Da war Valentin Ion noch keine zwei Jahre alt. Dennnoch waren sie seine Helden - die Männer um den legendären Kapitän Marius Lacatus, ebenso wie später Gheorghe Hagi, der Karpaten-Maradona, der Rumänien ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft 1994 führte. Daran musste er denken, als ihm in Gommersheim die Fähigkeit abgesprochen wurde, mit der Lederkugel umgehen zu können.

Ions Blick geht hinüber zu Sorin Radu, der den anderen schon beim Aufwärmspielchen zuschaut. Es ist der Blick eines Sohnes zu seinem väterlichen Freund. Sorin Radu hat ihn gerettet. Er hat ihn nach Speyer geholt, hat ihm sein Selbstvertrauen wiedergegeben, hat ihm einen Job besorgt und - baut auf ihn. Radu kann sehr laut werden, vor allem dann, wenn "seine Jungs" auf dem Platz nicht das umsetzen, was er ihnen vorgegeben hatte. Ion ist die Ausnahme - mit ihm spricht Radu auch während des Spiels in leisen Tönen, muntert ihn auf, motiviert ihn. Der Stürmer zahlt das Vertrauen zurück - mit Toren. Auf dem Platz hat Valentin Ion mehr Biss als sein berühmter Landsmann Graf Dracula, da geht er rein, ist mit Feuer bei der Sache: 14 Buden hat Ion in dieser Saison schon gemacht - er hätte noch weit mehr machen können. Hin und wieder fehlt ihm noch die Ruhe vor dem Tor. Das weiß er selbst. Aber er arbeitet daran - intensiv. "Ich bin glücklich in Speyer, und ich will hier bleiben, mit dem FV aufsteigen."

Valentin Ion braucht die Geborgenheit, um Leistung bringen zu können. Auch Sorin Radu hat jetzt, in der Trainingspause, dieses Lächeln im Gesicht. "Vali weiß noch gar nicht, wie gut er eigentlich ist. Er kann noch mehr - viel mehr!" Ion fühlt sich wohl in Speyer, auch beruflich. Im Café Triumphalis bei Jürgen Wessa, dem Sponsor des FVS, hat er seinen Job - tagsüber, denn abends ist der 22-Jährige im Sportpark beim Training. Täglich. Wenn ihn aber doch ab und an das Heimweh packt, geht er ins Internet-Café. "Dann chatte ich mit meiner Mama." Die Familie in Rumänien ist stolz auf ihren Vali, der in Deutschland lebt - trotz der anfänglichen Schwierigkeiten. Und schließlich ist da ja auch noch Sorin Radu, der väterliche Freund, der weiß, wie er mit dem sensiblen Stürmer umgehen muss. "Auf geht's Vali, an die Arbeit" - der väterliche Klapps gehört allemal dazu. (et)

 
Banner

BILDER

Via Triumphalis mit alter Münze Dom bei Nacht Maximilianstrasse bei NachtMuseum 
Bilder: Speyer bei Nacht von Michael Paul/Dudenhofen

ANMELDUNG

UMFRAGE

Schon mal Speyer besucht?
 

YOUTUBE

Hier finden Sie eine kleine Sammlung von Videos über besondere Attraktionen in Speyer.

Dom zu Speyer
Landung Antonow
Sealife Speyer
Technikmuseum
Raumschiff Buran

WETTER AKTUELL

NEWSTICKER


Mediterraneo Speyer

Erlesene Cafe- Spezialitäten und wechselndes original italienisches Mittagsmenü. Genießen Sie die Sonne auf unserem Freisitz. Speyer, Wormser Str. 5
Cafe Mediterraneo

WERBUNG

ARTSCAN-SERVER
Ihr kompetenter Partner für alle Internet-  Dienstleistungen
CASIDA
Mediterranes Wohnen - Olivenbäume, Palmen und Pflanzgefäße
PICTURETANK
Die Foto-Community für alle Hobbyfotografen