Er ist der Sunny-Boy der Speyerer Ringer vom AV 03 Speyer - immer ein Lächeln im Gesicht, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. "Ach nein", winkt er ab mit einem Zwinkern im Auge, "nicht ich schon wieder!" Paul-Fabian Harz, der Kapitän, kann auf der Matte alles - so er denn will.
Seinen Trainern und vor allem seinem Chef Jörg Schanninger schwillt hingegen hin und wieder schon der Kamm, wenn der Name Paul fällt. Nicht "Wer ist Paul", sondern: "Wo ist Paul?" - Die Frage steht sehr oft im Raum. Und die Antwort: ein vielsagendes Achselzucken - Paul ist nicht da, zumindest nicht im Training.
Dabei hat der 26-Jährige Speyerer alle Anlagen, die ein Matten-Kämpfer haben muss. Er ist schnell, zäh, ausdauernd und - intelligent genug, um seine Gegner auch mit unorthodoxer Taktik in Verlegenheit zu bringen. Eigenschaften, die ihn 2003 sogar in die 1. Bundesliga führten - nach Nürnberg. Paul-Fabian war eine Bank in der Mannschaft der Franken - aber schon damals war sein Trainingseifer begrenzt: "Ich hatte einfach keine Lust mehr auf das tägliche Schinden." Auch jetzt huscht ein spitzbübiges Lächeln über sein Gesicht - das ist Paul-Fabian, ein Unikum, der etwas andere Ringer-Athlet.
Am Klassenerhalt der Speyerer Ringer war der Kapitän maßgeblich beteiligt: 13 Siege in 14 Kämpfen - Platz neun in der Hitliste der Oberliga Rheinland-Pfalz (siehe auch Tabellenservice/Ringen).
Nur ein einziges Mal musste sich Harz geschlagen geben - ausgerechnet im Heimkampf vor vollem Haus gegen den großen VfK Schifferstadt. Peter Jeliaskov besiegte den Kapitän - eine Niederlage, die den 26-Jährigen mehr wurmte, als er nach außen zeigte. Er revanchierte sich im Rückkampf mit einem Schultersieg über Jeliaskov - und das im ungeliebten griechisch-römischen Stil. Nicht von ungefähr schreibt Andreas Scherer auch auf der VfK-Homepage anerkennungsvoll: "Speyers Spitzenringer Paul-Fabian Harz". Nervös war er, der Kapitän, vor seiner Niederlage gegen Jeliaskov. "Mein gößtes Problem", sagt er selbstkritisch. Hat er diesen Mangel im Griff, ist er in der Klasse unbezwingbar.
Vor seiner Bundesliga-Zeit in Nürnberg ist Harz zwei Jahre für Mainz 88 auf die Matte gegangen; aus dieser Zeit resultiert auch sein größter nationaler Erfolg: dritter Platz bei den Deutschen Junioren-Meisterschaften. Alle anderen Erfolge sind ohnehin kaum zu zählen: Elf Mal Rheinland-Pfalz-Meister, zehn Mal Pfalz-Meister, drei Mal Römer-Cup-Sieger. 2005 verschlug es ihn nach Lauterbach in die Regionalliga, und seit 2006 geht "Paul" für den AV 03 auf die Matte. Ein Gewinn für den Verein - keine Frage. Wer das Training der Speyerer Ringer beobachtet, sieht, welches Potenzial in dem rund 60 Kilogramm leichten Freistil-Athleten steckt - mit einer Leichtigkeit, die Spaß macht, zwingt er seine Gegner auf den Rücken. Spielerisch taktiert er dort, wo andere harte Arbeit leisten müssen - leicht wirkt dieser Sport bei Paul-Fabian, ästhetisch und athletisch zugleich.
Der Ringer-Chef des AV 03, Jörg Schanninger, hat alles getan, um Harz in Speyer zu halten. Andere, gute Angebote waren da. Aber primär will Harz zunächst einmal im Dezember seine Ausbildung zum Zahntechniker abschließen. Wie es dann weitergeht, steht für ihn noch nicht fest. Die sportliche Zukunft des Kapitäns hängt auch von der Zukunft der Speyerer Ringer ab. Sollte der AV 03 in der kommenden Saison keine Oberliga-Mannschaft melden, ist für den 26-Jährigen das Thema erledigt. In der Verbandsliga wird Harz nicht mehr für Speyer auf die Matte gehen. Das hat er bereits mehrmals signalisiert. Dann ist die Frage "Wo ist Paul" keine rhetorische mehr - auf anderen Matten wird er seine Ring-Kunst zelebrieren. (et)





