Der Zuwachs an administrativer Bedeutung hatte den Aufbau eines Verwaltungsapparates mit zahlreiche Behörden zur Folge, was wiederum einen deutlichen Wirtschaftsaufschwung und Zuwachs in der Einwohnerschaft mit sich brachte; die Einwohnerzahl verdoppelte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, eine rege Bautätigkeit prägte das Stadtbild und es entstanden die ersten Wohnquartiere außerhalb der Stadtmauer.
1837 wurde der Ausbau des Rheinhafens abgeschlossen und der Anschluss an das Deutsche Eisenbahnnetz erfolgte 1847. Es entstanden u. a. soziale und karitative Einrichtungen (Arbeits- und Bildungsanstalt für Mädchen, Wohltätigkeitsverein der jüdischen Gemeinde und ein Hospital). Im Bereich des Bildungswesens verfügte die Stadt über Einrichtungen aller Art und damit über das am besten ausgebaute Schulsystem in der Pfalz. Es entstanden die ersten Vereine: zur Schützengesellschaft, die bereits seit 1529 bestand, kamen beispielsweise Turnverein, Harmoniegesellschaft, Musikverein und Liedertafel.
Die Franzosen hinterließen in der Pfalz ihr Rechtssystem und liberalere Auffassungen, als sie rechtsrheinisch vorzufinden waren, was ab 1830 zu Spannungen mit dem bayrischen König führte. Dieser zunächst liberal gesinnte Monarch scheiterte bei der Wiedereinführung der Pressezensur, nachdem er sie selbst kurz zuvor abgeschafft hatte. In den liberalen und demokratischen Strömungen des Vormärz wurde Speyer zu einem Presse- und Zeitungsplatz von überregionaler Bedeutung (Speyerer Anzeigeblatt, Neue Speyerer Zeitung). Zu den bedeutendsten Söhnen der Stadt zählen in dieser Epoche der Maler Anselm Feuerbach (*1829), der Dichter Martin Greif (*1839) und der Maler Hans Purrmann (*1880).
Nach der Niederschlagung der deutschen Revolution von 1848 mussten viele revolutionär gesinnte Speyerer fliehen, wobei es viele vorzogen, gleich ganz das Land zu verlassen. Die darauffolgende Restauration und Biedermeierzeit konnte sich unter der zahlreichen von Bayern abhängigen Beamtenschaft in Speyer besonders gut verbreiten. Die zwei liberalen Speyerer Zeitungen mussten bald ihr Erscheinen einstellen. Die Pfalz galt als renitent, die Zügel der Regierung in München wurden besonders straff gehalten und wurden erst gegen Ende des Jahrhunderts lockerer.





